Januar 23, 2012

Mit der Bahn zurück in die Zukunft

Flugzeuge fliegen durch die Luft und noch viel länger fährt die Eisenbahn auf Schienen.

Soeben las ich einen Artikel über die Beförderungsbereitschaft der Deutschen Bahn für die potentiellen Fahrgäste, die auf dem Schiff in Italien nur knapp ihrem Untergang entflohen sind. Die mentale Situation der Menschen mal unbeachtet, ist den Beteiligten ihre Flucht vor der Misere wohl dennoch anzusehen. Also mir würde man es bestimmt ansehen. Die beiden kauften also ein Bahnticket, um nach ihrer Reise mit dem ICE wieder in die Heimat zu fahren, vergaßen es in der Eile (als sie vermutlich um ihr Leben bekümmert waren) jedoch im Zimmersafe und konnten es somit also nicht vorzeigen, als sie ihren bezahlten Platz im Zug einnehmen wollten. Als Grund halt die Katastrophe und das gilt aber nicht?!

Ich sitze soeben in Vietnam und hierhin gekommen bin ich mit einem Flugzeug aus Laos. Soweit ich mich erinnere, zählt Laos weltweit zu den zehn ärmsten Ländern. Um in das Flugzeug zu kommen, mussten wir lediglich einen Reisepass vorlegen. Kein Ticket, keine Bescheinigung oder irgendetwas anderes. Überall anders funktioniert das auch. Obwohl ich das Fliegen nicht mit dem Bahnfahren vergleichen möchte, hat es erstgenannte Menschenbeförderungsmethode in kürzerer Zeit zu einem weitreichenderen Fortschritt geschafft, als die (schon seit wie vielen Jahrzehnten existierende??) Bahnfahrt. Unglaublich gute Geschichte eigentlich, wenn das alles nicht so ernst und real wäre.

Januar 5, 2012

Vom Packen zum Verschnüren

Pünktlich zum Sturm, zum Schnee und zum Unwetter ganz allgemein hier, sind die Rucksäcke fertig gepackt und nur noch die Zahnbürsten fehlen. Die Stunden, bis das Flugzeug uns eingesammelt und auf den anderen, etwas wärmeren Teil der Planetenseite frachtet, kann man ja auch schon zählen. Für die nächsten zwei Monate tragen wir den Kleiderschank auf dem Rücken und werden uns in Reis suhlen können. In Süd-Ost-Asien, also Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha, soll es schön sein. Start in Bangkok.

Januar 5, 2012

Realitätsabgleich bei Windstärke 1000.

 

Dezember 26, 2011

Diplomarbeit auf dem Mac

Bestimmt existieren unzählige Artikel, in denen beschrieben wird, wie man am besten seine Arbeit schreibt und mit welchen Programmen man das tut. Das Dasein der folgenden Zeilen hat die gleiche Argumentation. Und eigentlich wird die Zahl derer, die noch eine Diplomarbeit schreiben werden, überschaubar sein, weil heute doch alles Bachlor und Master und alles ist. Und auch ich habe nur noch mit Glück (?!) einen der letzten Diplomstudiengänge besuchen dürfen. Aber eigentlich ist das auch vollkommen egal. Jedenfalls schrieb ich die Arbeit auf dem Mac und nach unzählbarem hin- und herprobieren ist dann auch meine Entscheidung auf eine Hand voll Programme gefallen.

Auf Empfehlungen hin, sind die klassischen Werkzeuge Pages, Word und was es da sonst noch gibt, schon zu Beginn der Überlegungen aussortiert worden. Viel zu nervenraubend, zeitintensiv und wenig logisch seien die Formatierung und der Ärger, wenn zum Schluss doch noch was anders werden soll. Deshalb führe kein Weg an LaTeX vorbei, sagten sie. Gab’s dann auch im Internet, war garnicht schwer zu finden und der erste Eindruck auch ziemlich okee. Als Einführung und für den Überblick habe ich die Dokumentation aus Esslingen (PDF) gelesen, die in der Wikipedia verlinkt ist.

Meine Entscheidung, die Arbeit in Latex zu »schreiben«, sie aber in einem anderen Programm »anzufertigen«, habe ich getroffen, weil mir die LaTeX-Sachen an sich zu unübersichtlich sind und in meinen Augen unfreundlich zu ihren Anwendern. Zusammengeschustert habe alles jedenfalls mit Scrivener, nicht kostenlos, für Studenten aber günstiger und vor allem jeden Eurocent wert. Dachte ich. Die Auswahl auf Scrivener ist gefallen, weil der Export der geschriebenen Arbeit nach LaTeX einfach und unkompliziert sein sollte. War er auch in all den zahlreichen Probierrunden zu Beginn, als es funktionieren sollte, jedoch nicht mehr. Egal. Jedenfalls bot mir Scrivener ganz gut die Möglichkeit zur Gliederung der Arbeit, da für jedes Kapitel und jeden Abschnitt ein eigenes kleines Dokument erstellt wird. Auf dem Bildschirm kann man sich wunderbar die Baumstruktur der Arbeit anzeigen lassen, dazu Notizen und nochmal Notizen und nach Belieben, etwa zum Schreiben, alles, bis auf den eigentlichen Text ausblenden. Das Schreiben mit Scrivener war also ziemlich angenehm und zudem habe ich bis zum Schluss immer wieder nette Zusatzfunktionen entdecken können. Hemmt das stupide Schreiben hin und wieder mal ein wenig auf die positive Art.

Da ich einen einheitlichen Typus für die Grafiken und Abbildungen wollte, habe ich mich dazu entschlossen nichts zu kopieren, sondern alles schon bestehende nachzubauen. Dafür hat sich Omnigraffle, was ich schon während des Studiums nicht missen wollte, ganz gut geeignet.

Nachdem ich die Arbeit also »anfertigte«, transportierte ich sie vorsichtigt zu LaTeX und innerhalb der MacTeX-Distribution in den Editor TeXShop, der meinen Anforderungen vollkommen genügte. Immer wieder empfohlen wird jedoch Textmate, mit dem ich es jetzt vielleicht auch versuchen würde. Die verwendete Literatur sammelte ich mit BibDesk.

 

Nochmal kurz zusammengefasst:

  • Scrivener zum Schreiben der Arbeit
  • Omnigraffle für die Grafiken
  • MacTeX als notwendige LaTeX-Umgebung mit den beiden enthaltenen Programmen
  • BibDesk für die Literaturverwaltung und
  • TeXShop als Editor

 

Hier noch meine LaTeX-Vorlagen der Diplomarbeit:

Oktober 26, 2011

Herbstgutachten

Oktober 11, 2011

The Sudden Passion

September 28, 2011

Einmal Zukunft und zurück oder wie man das Erfundene einfach nochmal neu erfindet.

Wer hat eigentlich die manuellen Obstwaagen wieder auferstehen lassen und vor allem: warum? Hierfür gibt es für mich nur eine plausible Erklärung, deren Herkunft nicht eindeutiger sein könnte.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich das Vergnügen, dass in der unmittelbaren Nähe meines zeitweisen Aufenthalt- und Verweilortes ein neuer Supermarkt einer etablierten Marke eröffnete. Die Besonderheit neben der unglaublich ökologischen Optik waren die Abrechnungsmaschinen für die Einkäufe. Anstelle der pseudogemütlich erscheinenden Sitzstühle hinter der Geldschublade darf das Personal an den neues Systemen, die bestimmt auch nicht mehr einfach Kasse, sondern Terminal oder so ähnlich heißen dürfen, an einfachen Hockern stehen oder so etwas wie sitzen. Das weiß ich nicht. Was ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesehen habe, sind die überholten Geldschubladen, an deren Stelle ein Touchpad gerückt ist und nur noch eine Hand voll Scharten zum Einführen der Metall- und Papierwährung. Auf der anderen Seite der Kasse, auf der Kundenseite, eine ähnliche Vorrichtung, aus der Kunden das Wechselgeld auffangen oder mit viel Glück nur einfach entnehmen. Betrug oder Pfanddiebstahl ist damit wohl ausgeschlossen. Obstwagen gibt es an diesen Kassensystemen auch nicht mehr. Soviel also zum Hintergrund meiner Annahme, dass an der Autorität des Personals gestutzt wird.

Jetzt ist es ja so, dass ich noch nicht allzu lange das Glück habe, auf dieser Welt zu leben und empfand das leidige Abwiegen von Obst und Gemüse – das mussten die Kunden in meiner Kindheit noch alles eigenhändig erledigen – immer als unnötig und zeitraubend. Automatische Kassen, die eine Waage eingebaut hatten konnten das ohnehin viel genauer und schneller. Für die Profitierenden war die Umgewöhnung wohl einfach, denn der Supermarkt hat irgendwann einfach keine von Kunden zu bedienenden Obstwaagen mehr aufgestellt und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als mit dem Ungewogenen an die Kasse zu ziehen. Jetzt – und das ist mir mittlerweile schon in drei vollkommen unabhängig zu einander stehenden Supermärkten vorgekommen – lebt die manuelle Obstwaage aber wieder auf und ich habe das nicht mitbekommen. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die wandlungsbereiten Supermärkte diese Änderung groß und deutlich ihren Kunden über die Vielzahl der ihnen zur Verfügung stehenden Kanäle mitgeteilt haben und ich das einfach überhört, überlesen oder anders übersehen habe. Ich bin mir sogar sicher, dass das irgendwo stand, denn seit ich mich erinnern kann, habe ich regelmäßig Mitteilungen von den Supermärkten im Briefkasten, sehe TV-Spots (also ich jetzt nicht, weil ich kein TV-Empfangsgerät besitze), lese Zeitungsanzeigen, vermute bunte Anzeigen hinter meinem stählernen Spamfilter im Browser und so weiter. Irgendwo werden sie uns Kunden das also wohl mitgeteilt haben. Jedenfalls sind diese öffentlichen Kundgaben vollkommen an meinem Bewusstsein vorbeigeschlittert und so bin ich also nichts anhnend in den Supermarkt und wollte Obst und Gemüse kaufen, wie ich das schon immer mache.

An der Kasse angekommen stellte das aufmerksame und wache Personal also fest, dass ich “tatsächlich nichts gewogen” habe. Wieso auch? Computer können das doch schon. Entnervt meines Kleingeistes und wohlwissend der anstehenden Menschenschlange machte sich die Frau Kassiererin auf den Weg zur Waage und praktizierte das, was uns die Computer schon vor einigen Dekaden an Arbeit abgenommen haben. Sie wog, klebte Aufkleber mit Barcode und scannte diesen anschließend vollkommen außer Atem in das altneue Kassensystem ein. Nachdem ich bezahlt habe, wusste ich nicht so recht, ob ich ein schlechtes Gewissen haben sollte.

Auf dem Weg zum heimischen Kühlschrank erblickte ich aber dann ein Plakat mit der werbenden Aufschrift »DU bist nice price«. Und erschrak.

Ich könnte jetzt hier noch mit verdammter Gewalt versuchen ein Fazit rauszupressen, lass das aber und stelle stattdessen lieber fest, dass die Zukunft sich ein bisschen dynamischer gestaltet als wir das verarbeiten können. Wir schreiben stattdessen ins Grundgesetz, dass wir die Religion vom Staat trennen, verlangen von potentiell gewillten Einsiedlern, dass sie diese Grundgesetze anerkennen und laden uns dann, ein christliches Kirchenoberhaupt ein, eine mahnende Rede im Zentrum der exekutiven Staatsgewalt zu halten. Wir demonstrieren und bringen innovative Unternehmen dazu dem technologischen Fortschritt zu entsagen, indem wir regelrecht protestieren gegen die Veröffentlichung einer bildhaften Darstellung unserer Hausfassaden. Was meiner Wahrnehmung nach zudem vollkommen legal ist. Wir schaffen uns das Leben erleichternde Computersysteme in Supermärkten ab, weil wir Angst haben dass wir übers Ohr gehauen werden und fordern stattdessen die Wiederherstellung des Altbekannten. Und bekommen es, anstatt das System weiterzuentwickeln und anzupassen. Wir sind nicht mehr empfänglich für fragmentierte Informationen, die zur Vollkommenheit weitergedacht werden müssten und lassen uns lieber mit schlechter Werbung locker, die wir nicht nur akzeptieren, sondern uns eine Freude damit bereiten, über ihre Sinnlosigkeit zu debattieren.

Vielleicht gab es ja jemanden, der die Zukunft schon gesehen hat und als er das tat, drehte er sich um, ging zu den anderen und erzählte ihnen davon. Er sah dass es ihm nicht gefallen hat und überredete die anderen in der Art, dass sich das Kollektiv umdrehte und sich wieder auf den Weg in die Vergangenheit machte. Nur so kann ich mir das alles erklären.

September 16, 2011

Im Keller ist noch Licht

Soeben las ich Peter Dausends Artikel in der aktuellen Ausgabe der ZEIT über die FDP und deren Flirt mit dem Populismus. Darin schwimmt die FDP mit Blick zur Berlin-Wahl auf der Höhe der Piratenpartei. Und eigentlich finde ich den Vergleich fabelhaft, denn als die Piraten 2009 so plötzlich aus dem Boden sproßen, warf man ihnen mangelnde Kompetenz auf einer Vielzahl der politischen Sphären vor. Wenn also jetzt die FDP, die sich mit der Auswechslung ihres Vorsitzenden auch einen Anstieg ihrer Beliebtheit versprach, auf gleicher Höhe mit einer belächelten Ein-Themen-Partei steht, dann ist das nur konsequent. Vielleicht kann man selbst an der Beliebtheit oder den potentiellen Wahlergebnissen einen Punkt markieren, an dem den Schaustellen bewusst wird, das weder beliebte Vorsitzende, noch marginaler Populismus ein inhaltlich stimmiges Programm ersetzen kann.

September 3, 2011

Mit dem Wasserflaschenkolletiv an der Selbstbedienungskasse

Wieder auf dem Parkplatz angekommen, war ich froh durchatmen zu können und die geschätzte Hälfte der Lebensmittel, die auf dem Einkaufszettel standen, in den Kofferraum laden zu dürfen. Das Labyrinth, in dem ich die herausforderndste aller mir in der letzten Zeit untergekommenen Freizeitaktivitäten durchführen durfte, erfüllte alle Voraussetzungen für die Zuordnung einer eigenen Postleitzahl. »Nur mal eben schnell noch ein paar Besorgungen machen« war die Absicht, mit der ich die Wahl für den Einkaufstempel in der nächsten Nähe traf. Vom Leergutautomaten, der sich an der gegenüberliegenden Seite des Eingangs befand, startete ich den Marathon, den man in der Retrospektive durchaus als einen bezeichnen darf. Die wenigen Besorgungen führten mich anschließend kreuz und quer durch die sterilen Gänge um währenddessen festzustellen, dass die angenommenen Vermutungen über den Regalplatz der Dinge sich als falsch erwies. Zwischen Obstauslage und Gemüsetheke durchquerte ich noch das Areal der Jeanshemden, vorbei an Motoröl hin zu Molkereiprodukten, wo ich schlussendlich in der Tiefkühlabteilung zwischen all der Vielfalt feststellen durfte, dass das Fach des Tiefkühlbrokkoli leer war. Zwischen der Erkenntnis und der zur Verfügung stehenden Möglichkeit kurzentschlossen auf die frische Variante umzusteigen lagen sportliche sechshundertfünfzig Meter Fußweg. Nach der zweiten Runde wusste ich wegweißende Hinweisschilder zu schätzen, die einem einen groben Überblick über die unendlich wirkenden Möglichkeiten schenken. Zwischen all den Angebotsschildern konnte ich aber keine entdecken. Zwanzig Minuten  und einige Priorisierungsrunden auf dem Einkaufszettel später, bemerkte ich bei der Suche nach Toilettenpapier den großen blauen Pfeil an der Supermarktdecke, der in mit seiner himmelwärts gerichteten Zeigerichtung auf die zweite Etage aufmerksam machte. Durchatmen. Es war immerhin kurz vor Ladenschluss und ich entschied mich mit der immer schwerer werdenden Auswahl im Einkaufskorb die Lebensmittelsuche abzubrechen und mich an der Kasse anzustellen. Nach fünf Minuten Stillstand, ich vermutete ein Problem im Kassensystem, entschied ich mich für die sonst so verteufelte Variante der Selbstbedienungskasse. Das schwerste zuerst, hievte ich den Sechserpack Wasserflaschen auf die Scaneinrichtung, die Sekundenbruchteile später in auch für die am anderen Ende des Supermarkts befindlichen Einkäufer gut verständlichem akustischen Auswurf mir den Preis mitteilte. Die Höhe des Pfands in einer Extrarunde. Anschließend die Aufforderung, die eingescante Ware in die Plastiktüte in der daneben platzierten Halterung unterzubringen. Jetzt war es aber so, dass das Fassungsvermögen der Plastiktüte beim Anblick des Wassersixpacks…sie wissen schon. Es passte halt einfach nicht. Wird schon gehen, einfach mal den nächsten Artikel scannen. Nach der dritten Aufforderung das Wasserflaschenkollektiv in die Plastiktüte zu stecken, ergriff ich meinen Korb und flüchtete vor der Bezahlmaschine. Einen Schulterblick in der Eile später, war ich mir sicher die Maschine kurz lachen zu hören, sicher bin ich mir aber auch nicht. Die folgenden zehn Minuten an der kurzen Kassenschlange waren jetzt absolut kein Problem mehr. An der Reihe und schon die Hälfte der mageren Ausbeute im Kassensystem vom der Kassiererin eingebucht, erhielt ich die professionelle Auskunft, dass ich die drei Bananen, die ich grade noch so ergriffen habe, vergaß zu wiegen. Obst wiegen? Das erlebte ich zuletzt in der Hochphase meiner Kindheit. Seitdem ich denken kann ist die Obst- und Gemüsewaage tief in der Bezahlkasse verankert. Zufrieden zeigte sie auf die Waage, die sich einige Meter entfernt befand und auf einem großen Schild ironisch auf »Vergessen Obst- oder Gemüse zu wiegen« aufmerksam machte. Lächelnd lies ich die Bananen an der Kasse liegen, bezahlte und war mir sicher das letzte Mal den Supermarkt in der nächsten Nähe ausgewählt zu haben. Die Argumente für die dauerhafte Bestellung im Onlinesupermarkt häufen sich und die Bezahlung an materiellen Kassensystemen werde ich wahrscheinlich auch nur noch im Exotenladen für die ganz exklusiven Sachen durchmachen.

August 15, 2011

Wie ich mal in einem Zug saß und über das Fliegen sinnierte

Die entgegengesetzt fahrende Rolltreppe ist besser besucht. Auf dem Bahnsteig angekommen erfahre ich, weshalb das so ist und befinde mich einen Augenblick und eine Lautsprecherdurchsage später auf dem gleichen Weg. Der ICE fährt heute auf einem anderen Gleis als er das nach Fahrplan eigentlich sollte. Auf meinem Telefon, das mit die Verspätungen fast minütlich genau anzeigt, wusste das nicht. Ein bisschen froh nicht pünktlich zum Bahnhof gefahren zu sein, steige ich in den schon gemütlich gefüllten Zug ein und kann mir sicher sein, dass die Suche nach einem Sitzplatz verschenkter Weg und vergeudete Zeit ist. Ich positioniere mich und mein kleines Reisegepäck in einer Ecke, zücke das Buch und verbringe die nächste halbe Stunde mit gekrümmtem Rücken auf dem Weg zum Umsteigebahnhof. Auf dem Weg kollidiert die Fahrkartenkontrolle noch mit einem Reisenden, der es drauf ankommen lies. Es wurde laut und mehr als dass er viertausend Euro im Jahr bezahlte und jeden Morgen das gleiche Theater mitmache, erfuhr ich nicht. Es dauerte einige Minuten bis der aufgebrachte Reisende seine Sachen ergriff, mitteilte dass er keine Lust mehr habe und den Gang entlang davon zog. Die Kontrolle lachte, nicht freundlich, zufrieden und machte weiterhin das, was sie machen sollte. Eine noch nicht so erfahrene zusätzliche Kontrolle kam hinzu und stellte Fragen, die sie mit mahnender Ruhe beantwortet bekam. »Es ist nicht wichtig, dass Du bis Frankfurt den ganzen Zug kontrollierst.« Die Frage stellte sie vor dem Hintergrund des überfüllten Mittelganges, der ein hindernisfreie Durchkommen unmöglich machte. Die Klimaanlage funktionierte auch im Anschlusszug.

Nachdem mich der Vergleich reizte, mit welcher Last mein Geldsack belastet wird, wenn ich für die gleiche Verbindung eine Flugzeug anstelle des ICE betrete, versuche ich bei meiner nächsten Pendelei den Luftweg. Ich mag das Zugfahren, die potentielle Entspanntheit beim Einsteigen, die Ruhe während der Fahrt und die Möglichkeit das zu tun, was nach meinem Belieben am nächsten ist, Buch oder Computer – das alles gibt es leider nur in meiner Vorstellung. Das Flugzeug ist schneller, komfortabler, aber vor allem günstiger – wenn mich jemand was fragt, ist es nicht die Frage nach der temporären Daseinsberechtigung in Form eines bedruckten Stück Papiers, sondern ob ich noch etwas trinken möchte. Ich habe auf jeden Fall einen Sitzplatz. Ich finde das nicht gut, aber so langsam gehen mir die Argumente für das Bahnfahren aus.